Feldversuche
Vom Batteriespeicher bis zu den Ortsteilen
Drei aufeinander aufbauende Feldversuche erproben das Inselnetz schrittweise mit immer mehr Anlagen.
Feldversuch 1 · 2. Oktober 2024
Die Batterie trägt das Inselnetz
Im ersten Feldversuch bildeten die beiden netzbildenden Batteriewechselrichter allein das Inselnetz. Als Verbraucher dienten die Power-to-Heat-Anlage (Wirklast), eine induktive Lastbank (rund 1 Mvar) und eine etwa 9 km lange Kabelstrecke (kapazitiv).
Durch gezieltes Zu- und Abschalten dieser Verbraucher wurde das dynamische und stationäre Verhalten von Spannung und Frequenz untersucht – mit den Regelverfahren Droop und Virtual Synchronous Machine (VSM) und insgesamt 15 Parameterszenarien.
Erkenntnisse
- Inselnetzbetrieb funktioniert: Für den Aufbau eines Inselnetzes nach einem Netzausfall wurde eine Betriebsstrategie entwickelt, bei der ausschließlich die netzbildenden Wechselrichter das Netz stellen.
- Parametrierung ist entscheidend: Bei bestimmten Einstellungen (z. B. höheren Messzeitkonstanten in der Droop-Regelung) traten Leistungsschwingungen zwischen den beiden Wechselrichtern auf. Einige Szenarien wurden deshalb vorsorglich abgebrochen. Die VSM-Regelung erwies sich in nachfolgenden Simulationen als robust.
- Die Wahl des Modells zählt: RMS-Modelle bilden das Frequenz- und Spannungsverhalten gut ab. Wechselwirkungen zwischen netzbildenden Wechselrichtern lassen sich aber nur mit EMT-Simulationen erkennen.
- Einschaltströme als Herausforderung: Beim Zuschalten von Transformatoren entstehen hohe Einschaltströme („Inrush“). Sind bereits magnetisierte Transformatoren im Netz, verstärkt sich der Effekt („Sympathetic Inrush“). Die resultierenden Überspannungen können zum Abschalten des Inselnetzes führen.
- Energiebedarf: Ein Versuchszyklus benötigte rund 4 % des Speicherinhalts. Das Energiemanagement-Modell wurde mit den Messdaten validiert.
Eindrücke vom Versuchstag






Feldversuch 2 · 16.–18. September 2025
Der Windpark speist ins Inselnetz
Im zweiten Feldversuch kamen die vier Windenergieanlagen hinzu. Jetzt wurde der Batteriespeicher gleichzeitig von der Power-to-Heat-Anlage belastet und vom Windpark geladen. Im Mittelpunkt stand das Zusammenspiel netzbildender und netzfolgender Anlagen mit den Kennlinien der technischen Anschlussregeln: P(f) und Q(U).
Weil die Energie im Inselnetz nur aus Batterie und Wind stammt, wurde der Versuch auf drei Tage (16. bis 18. September 2025) mit flexiblen Versuchsblöcken verteilt. Ein Risiko- und Energiemanagement begleitete die Versuche.
Erkenntnisse
- Drei Tage stabiler Inselnetzbetrieb rein aus Wind und Batterie, einschließlich der Ladevorgänge über Nacht.
- Präzise Energieplanung: Das Energiesystemmodell wich über den gesamten Feldversuch weniger als 5 % von den gemessenen Energiemengen ab.
- Gegenmaßnahmen gegen Einschaltströme getestet: langsameres Hochfahren der Spannung („Soft Energisation“), veränderte Stufenstellerpositionen der Transformatoren, mehr Wechselrichterleistung und angepasste Q(U)-Kennlinien. Mehr Wechselrichterleistung ermöglichte das Zuschalten aller Transformatoren.
- Oberschwingungen als Schlüssel: Die Überspannungs-Abschaltungen werden hauptsächlich durch Oberschwingungen verursacht. Eine bessere harmonische Stabilität der Wechselrichter ist daher der nächste Ansatzpunkt.
- Personal ist der wichtigste Risikofaktor: Das Risikomanagement nach DIN ISO 31000 zeigt, dass die Verfügbarkeit der Fachleute aller beteiligten Firmen für den Erfolg entscheidend ist.
Feldversuch 3 · Woche vom 23. bis 27. November 2026
Asch und Leeder im Inselnetz
Im abschließenden Feldversuch werden zwei Ortsteile der Gemeinde Fuchstal, Asch und Leeder, vom regulären Stromnetz abgetrennt. Sie werden dann für einen halben Tag als Inselnetz versorgt, allein durch vier Windenergieanlagen und den Batteriespeicher.
Zudem wird untersucht, ob und wie lange die beiden Ortsteile bei einem Zusammenbruch der Stromversorgung weiter mit Strom versorgt werden könnte.
- Übergang vom Verbund- in den Inselnetzbetrieb
- Spannungstoleranzen im Mittel- und Niederspannungsnetz
- P(f)- und Q(U)-Kennlinien der PV-Anlagen in der Niederspannung
- Spannungs- und frequenzabhängiges Verhalten der Lasten
- Betriebsstrategien und mögliche Versorgungsdauer bei einem längeren Ausfall des Verbundnetzes
Ziel: der praktische Nachweis, dass ein stabiler Inselnetzbetrieb in einem umrichterdominierten Netz ohne zentrale Regelungsstruktur möglich ist.
